Stärken und Grenzen von AI-Präsentationen
Du hast gerade deine erste AI-Präsentation erstellt. Jetzt schauen wir genauer hin — nicht um zu kritisieren, sondern um zu verstehen. Was kann AI bei Präsentationen gut? Wo erreicht sie ihre Grenzen?
Die Template-Fabrik
Stell dir vor, du hättest eine Fabrik, die in Sekundenschnelle Designs herstellt. Eine enorme Fabrik mit Millionen von Design-Mustern in ihrem Gedächtnis. Diese Fabrik kennt Hunderte von Designprinzipien: Kontrast, Hierarchie, Farbtheorie, Typografie.
Wenn du der Fabrik sagst: »Gib mir ein Design für eine Business-Präsentation«, dann greift die Fabrik auf ihre Erfahrung zurück und kombiniert bewährte Muster. Sie kennt, was »professionell« bedeutet, welche Farben Vertrauen ausstrahlen, wie man Texte lesbar macht.
Das ist AI-Präsentation: eine Template-Fabrik, die auf Basis deiner Beschreibung ein Design zusammensetzt. Und diese Fabrik ist verdammt gut darin — aber nur unter bestimmten Bedingungen.
Drei große Stärken
1. Struktur und Konsistenz
Die größte Stärke von AI-Präsentationen ist die strukturelle Konsistenz. Wenn du der AI sagst: »5 Folien, jede mit Titel, Hauptpunkt und Bild«, dann wird sie das mit robotischer Genauigkeit umsetzen. Keine schiefen Layouts. Keine inkonsistenten Schriftgrößen.
Das ist ein echtes Problem bei menschlichen Designern — manchmal werden Folien ungleichmäßig. Die AI? Sie werden immer gleich. Das ist eine Stärke, wenn du Einheitlichkeit brauchst.
Und Einheitlichkeit ist nicht trivial. Sie ist ein großer Teil dessen, was professionell aussieht. Die AI hat das verstanden und liefert es ab.
2. Visuelle Konsistenz und Speed
Ein Designer brauchte früher 3-5 Tage, um 20 Folien zu designen. Die AI macht es in 90 Sekunden. Das ist nicht einfach schneller — das ändert, wie man arbeitet.
Mit traditionellem Design konnte man sich 3-5 Versionen nicht leisten. Mit AI? Du machst 10 Versionen. Du experimentierst. Du iterierst. Du verfeinert.
Und visuelle Konsistenz über 20 Folien? Die AI macht das fehlerfrei. Farben stimmen, Schriften stimmen, Icons passen zusammen. Das ist professionell — es sieht nach »großem Budget« aus.
3. Benutzerfreundlichkeit für Anfänger
Die größte praktische Stärke: Die AI braucht keinen Designer-Input. Du brauchst kein Verständnis von Farbtheorie, Typografie oder Komposition. Du sagst, was du zeigen möchtest, und die AI kümmert sich um den Rest.
Das ist eine Demokratisierung von Design. Ein Ingenieur, ein Verkäufer, ein Lehrer — jeder kann jetzt Präsentationen erstellen, die »designt« aussehen. Das war früher nicht möglich.
Drei hartnäckige Schwächen
Aber jede Stärke hat einen Preis. Die AI-Präsentation hat auch echte Grenzen.
1. Generische Ästhetik
Die AI ist, im Kern, ein Muster-Imitator. Sie hat Tausende Design-Vorlagen in ihrem Gedächtnis — und sie kombiniert sie. Das Problem: Am Ende sehen alle AI-Präsentationen »ähnlich« aus.
Das erkennst du schnell: Es gibt ein bestimmtes »AI-Gefühl«. Die Farben sind zu glatt, die Layouts zu perfekt, die Bilder zu generisch. Es fühlt sich an wie aus einer Fabrik — weil es das auch ist.
Ein guter Designer würde sagen: »Das braucht Charakter. Das braucht etwas Unerwartetes.« Die AI kann das nur schwer. Sie arbeitet mit bekannten Mustern, nicht mit mutigen Neuerungen.
2. Falsche Gewichtungen bei komplexen Inhalten
Die AI ist gut darin, einfache Inhalte zu visualisieren. »Schreib einen Punkt pro Folie« funktioniert wunderbar.
Aber wenn es komplexer wird — wenn eine Folie drei Ideen miteinander verbinden muss, oder wenn eine Visualisierung mehrere Konzepte gleichzeitig zeigen soll — dann verliert die AI den Überblick. Sie weiß nicht, was wirklich wichtig ist.
Beispiel: Eine Folie soll zeigen, wie drei Faktoren zusammenhängen. Die AI könnte die drei Faktoren mit gleichen großen Icons anzeigen — aber vielleicht ist Faktor 1 dreimal so wichtig wie die anderen. Die AI kennt diesen Kontext nicht.
Ein erfahrener Designer würde denken: »Faktor 1 braucht 60% des Platzes, die anderen 20% je.« Die AI macht »33% je« — weil das symmetrisch aussieht.
3. Fehlendes Storytelling
Dies ist die tiefste Grenze. Eine wirklich großartige Präsentation ist eine Geschichte. Sie hat Spannungsaufbau. Sie hat Wendepunkte. Sie hat emotionale Momente.
Die AI kann visuelles Design, aber nicht Narration. Sie kann nicht entscheiden: »Diese Folie ist ein Cliffhanger. Die nächste ist die Auflösung.« Sie kann nicht denken: »Hier zeige ich ein Problem, dort eine Lösung, jetzt ein echtes Beispiel.«
Die AI erzählt nicht. Sie schmückt auf.
Drei Realitäts-Check-Fragen
Wenn du eine AI-Präsentation siehst, frag dich:
1. Ist das Storytelling eigenständig — oder nur eine Ansammlung von Folien?
Wenn du die Folienreihenfolge zufällig durcheinander würfelst, merkst du den Unterschied? Oder würde es genauso funktionieren? Die beste Präsentationen haben eine innere Logik. AI-Präsentationen oft nicht.
2. Sind die visuellen Entscheidungen bewusst — oder folgen sie nur Vorlagen?
Warum ist diese Folie rot und die nächste blau? Weil es einen Grund gibt — oder weil die AI ein Template gewählt hat, das passt? Die beste Designs haben eine Logik hinter jedem Element.
3. Spricht die Präsentation zu meinem Publikum — oder zu einem generischen Publikum?
Eine großartige Präsentation fühlt sich gemacht. Sie weiß, für wen sie gemacht ist. AI-Präsentationen sind oft zu universell — sie sprechen zu »jedem« und damit zu »niemandem«.
Die Multiplikator-Ermöglicher-Grenzen-Struktur
Erinnerst du dich an K01, K02, K03, K04, K05, K06? Jedes Medium hatte drei Rollen. So auch Präsentationen.
Die Multiplikator-Rolle
AI multipliziert die Produktivität von Präsentationserstellung. Was früher Tage dauerte, dauert Minuten. Das ist unglaublich wertvoll für schnelle Iterationen, für Prototypen, für Experimente.
Ein Vertriebsmitarbeiter kann jetzt 10 Versionen einer Pitch-Deck machen, je für andere Zielgruppen. Das wäre früher unmöglich gewesen.
Die Ermöglicher-Rolle
AI ermöglicht es nicht-Designern, professionell aussehende Präsentationen zu machen. Das ist eine echte Befähigung. Ein Arzt kann jetzt seine medizinische Konferenz-Präsentation selbst designen. Ein Startup-Gründer kann seine Investoren-Pitch visuell elegant gestalten.
Das gibt Menschen Kraft, die vorher ohnmächtig waren.
Die Grenzen-Rolle
Aber die AI kann keine Kultur schaffen. Sie kann keine Botschaft entwickeln, die so mutig oder kreativ ist, dass sie fasziniert. Sie kann nicht »rebellisch« designen. Sie kann nicht eine komplexe emotionale Reise erzählen.
Das ist die Arbeit eines Masters. Das ist menschlich.
Ein Gedanke zum Mitnehmen
Die beste AI-Präsentation ist eine, bei der du als Mensch immer noch den künstlerischen Kern verantwortest. Die AI liefert die Infrastruktur. Du lieferst die Seele.
Das bedeutet: Lass die AI für Struktur und Konsistenz arbeiten. Aber pass auf bei Storytelling und emotionalem Kern. Dort brauchst du zu denken. Dort entscheidest du, was wirklich zählt.
Wenn du das verstehst, wirst du nicht von der AI manipuliert. Du nutzt sie.
AI-Präsentationen sind Meister der Struktur und Konsistenz, aber Anfänger beim Storytelling. Ihre Stärke ist Geschwindigkeit und Zugänglichkeit. Ihre Grenze ist der menschliche künstlerische Kern.